Erstmals in Europa - Implantation einer Hirn-Computer-Schnittstelle bei hoher Querschnittlähmung

Im Sommer 2025 implantierte das Team am Klinikum der Technischen Universität München (TUM Klinikum) europaweit erstmals eine Mikroelektroden-basierte Hirn-Computer-Schnittstelle bei einem Patienten mit hoher Querschnittlähmung.

Film: Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie / TUM Klinikum Rechts der Isar. Mit Studienpatient Michael Mehringer, Prof. Dr. med. Bernhard Meyer und Prof. Simon Jacob.

 

Video file

 

  • Weltweit erstmals Mikroelektroden-BCI für Sprach- und kognitive Störungen (TUM Klinikum, 2022) und erstmals in Europa Mikroelektroden-BCI für hochgradige Querschnittlähmung (TUM Klinikum, 2025)
  • Vier Verbundene Forschungsachsen
  • Sechs Schritte der translationalen Pipeline
  • 25 Jahre Zeithorizont der Strukturentwicklung
Leitgedanke: Ausgehend vom neurochirurgischen Operationssaal bringen wir Disziplinen auf eine Weise zusammen, die es so bislang nicht gegeben hat, und schaffen neue Wege für translationale Forschung und Innovation.

Kartierung, Implantation, hochaufgelöste Ableitung und Echtzeit-Dekodierung treffen dort innerhalb eines einzigen Eingriffs aufeinander, unter denselben Sicherheitsstandards, die auch für den Regelbetrieb gelten.

Kurzprofil: Ein gemeinsamer Rahmen für Neurotechnologie an der TUM

Die Forschungsallianz für Neurotechnologie und Neuroassistive Systeme ist eine Initiative der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am TUM Klinikum, angesiedelt an der TUM School of Medicine and Health und auf Dauer angelegt. Sie führt Kompetenzen zusammen, die bisher auf einzelne Lehrstühle, Kliniken und Drittmittelprojekte verteilt waren, und gibt ihnen einen gemeinsamen wissenschaftlichen und organisatorischen Rahmen. Dazu gehören invasive wie nicht-invasive neuronale Schnittstellen, neuroassistive Systeme, patientenspezifische Dekodierungsverfahren und die zugehörige Governance.

Daraus soll ein tragfähiger Schwerpunkt der restaurativen Neurowissenschaften entstehen, in dem Forschung, technische Entwicklung und klinische Translation dauerhaft aneinander anschließen. 

Forschungsschwerpunkte: Vier Forschungsachsen

Die wissenschaftliche Arbeit gliedert sich in vier Achsen. Drei davon bearbeiten klinische und technologische Anwendungsfelder, die vierte stellt ihnen Methoden, Dateninfrastruktur und den ethisch-regulatorischen Unterbau bereit.

Sensomotorische Rehabilitation

Die Achse umfasst intrakortikale BCIs für motorische Funktionen, Brain-Spine-Interfaces und Rückenmarksstimulation. Ergänzend werden hochaufgelöste EMG- und Motoneuron-Dekodierung, Closed-Loop-Architekturen sowie die klinische Evaluation im Rehabilitationsverlauf bearbeitet.

 

Kommunikation und Kognition

Gearbeitet wird an akuten und chronischen intrakortikalen Ableitungen, an Einzelzell- und Populationsanalysen sowie an der Dekodierung von Sprache und Kommunikation. Hinzu kommen die Repräsentation höherer kognitiver Funktionen, patientenspezifische BCI-Modelle und die funktionelle Kartierung für die präoperative Zielplanung.

 

Robotische Assistenz und Neuroprothetik

Dazu gehören Soft Wearable Robotics und Exosuits, aktive Orthesen und Handneuroprothetik. Die Dekodierung von Greif- und Manipulationsbewegungen, myoelektrische Steuerung und virtuelle Realität für Embodiment-Studien ergänzen dieses Feld.

 

Ethik und Governance für Daten und KI

Bearbeitet werden maschinelles Lernen für Neurodaten, neuromorphe Signalverarbeitung und Hardware sowie Echtzeit- und Edge-Dekodierung. Auf der regulatorischen Seite stehen Dateninfrastruktur und Datenschutz, Neuroethik und Neurorechte sowie die Planung klinischer Studien.

 

Mehr zur Forschung erfahren

Translationale Pipeline: Von neuronalen Signalen zu wiedergewonnener Funktionsfähigkeit und von funktionellem Mapping zu neuroassistiven Anwendungen

Zwischen der intrakortikalen Stimulation und der assistierten Bewegung liegen die Dekodierung neuronaler Signale, die Bewertung der Sicherheit, die Rehabilitation sowie die regulatorische Bewertung. Die Allianz bearbeitet diese Schritte parallel und unter gemeinsamer wissenschaftlicher und klinischer Verantwortung, da Entscheidungen in einer Phase regelmäßig Auswirkungen auf die jeweils anderen Phasen haben.

Der neurochirurgische Operationssaal bildet dabei einen zentralen Teil dieser translationalen Prozesskette. Hier können funktionelles Mapping, Implantation, neuronale Ableitung und Signalaufzeichnung sowie die Dekodierung bei ein und demselben Patienten innerhalb eines einzigen Eingriffs durchgeführt werden.

Mehr über Translation und Verantwortung  erfahren

01
Funktionelle Kartierung

Präoperative Zielplanung und funktionelle Lokalisierung.


 

02
Implantation & Ableitung

Akute und chronische hochaufgelöste neuronale Aufzeichnung.

03
Neuronale Dekodierung

KI-gestützte, patientenspezifische Signalverarbeitung.

04
Assistive Technologie

Übersetzung in neuroassistive Systeme und Aktorik.

05
Klinische Evaluation

Erprobung, Sicherheit und Nachsorge unter klinischen Standards.

06
Verantwortungsvolle Translation

Ethik, Datenschutz und Regulierung begleiten alle Schritte.

Projekte und Entwicklungsprogramme: Ausgewählte Projekte

Zur Allianz gehören laufende Forschungsprogramme, Vorhaben in der Antragsphase und langfristig angelegte Projektlinien.

 

 

Mehr über Projekte erfahren

Im Fokus: Berichterstattung zur ersten europäischen Implantation

Die europaweit erste Implantation einer Mikroelektroden-basierten Hirn-Computer-Schnittstelle bei hoher Querschnittlähmung wurde von überregionalen Medien begleitet.

Alle Medienberichte und Publikationen →

Beteiligte Einheiten, akademische und industrielle Partner
  • TUM School of Medicine and Health
  • Klinik für Neurochirurgie, TUM Klinikum 
  • Translationale Neurotechnologie, TUM
  • Computational Neuroscience, TUM
  • Neuroelektronik, TUM
  • Healthcare & Rehabilitation Robotics, TUM
  • Munich Institute for Robotics and Machine Intelligence (MIRMI), TUM
  • Neuroethik, TUM
  • FAU Erlangen-Nürnberg
  • LMU München
  • Blackrock Neurotech
  • ABILITY Neurotech
  • FUTRUE
  • Google
  • Brainlab
Einblicke: Forschung und klinische Translation

Aufnahmen aus dem Operationssaal, aus den Ableitungs- und Dekodierungsprogrammen und aus der täglichen Zusammenarbeit der beteiligten Gruppen.

Aufnahmen: TUM Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie.

Kontakt aufnehmen

Für wissenschaftliche Kooperationen, klinisch-translationale Vorhaben, Industriepartnerschaften und Medienanfragen gibt es jeweils eigene Ansprechpartner.